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Der Februarnachmittag war klirrend kalt.
Entsprechend hatte sich die Bergexpedition ausstaffiert: Die Herren
waren in dicke Pelzmäntel eingemummelt, hatten Fellmützen auf,
Fausthandschuhe, Schneebrillen. Sie waren mit Rucksäcken, Eispickeln,
Äxten und Rettungsseilen ausgerüstet und wurden sogar von einem
Bernhardiner beschützt. So ausgestattet, wagte man den gefährlichen
Aufstieg von der Belle-Alliance-Straße, dem heutigen Mehringdamm, auf
den Kreuzberg. Die Todesmutigen gehörten zur kurz zuvor in einer
Weinstube Unter den Linden gegründeten Gesellschaft zur Erforschung des
Kreuzbergs, die meisten von ihnen Maler und Bildhauer, darunter Max
Klinger. Angeseilt, keine Strapazen scheuend und von zahlreichen
neugierigen Zuschauern angefeuert, stapften die couragierten Forscher
durch den tiefen Schnee. Endlich oben angekommen, feierten die
erschöpften Gipfelstürmer ihren Triumph mit einem zünftigen Punsch am
offenen Feuer. Doch die Party währte nicht lange, weil ein
unfreundlicher Gendarm mit Pickelhaube die Bergsteiger
gebührenpflichtig verwarnte und somit dem fröhlichen Treiben ein
abruptes Ende bereitete. Die Seilschaft indes ließ sich die Laune nicht
verderben und stieg über den Südhang zur nahegelegenen Bockbierbrauerei
ab, wo man sich zu feucht-fröhlicher Runde im Tivoli niederließ.
Geschehen
Anno 1880 ...
Winfried Morgenstern u.a.: Berliner Berg-Touren, Elefanten Press 1993, S. 134 f.